Smartboards und interaktive Displays für Schulen – Der Weg aus der Kreidezeit 

Jeder kennt sie, die gute alte Kreidetafel. Das Geräusch von kratzender Kreide hat schon Generationen von Schülern Gänsehaut beschert. Seit grob 1650 soll es diese Institution des Bildungswesen schon geben, ganz schön lange. Die Oberfläche hat sich ein wenig verändert seither, mittlerweile auch teilweise durch Whiteboards ersetzt. Aber im großen hat sich seit 1650 an dieser grundlegenden Präsentationsform im Unterricht wenig geändert. Nach grob 400 Jahren ohne signifikante Änderung im Tafelwesen, dachte ich mir, da muss sich doch heutzutage was getan haben. Nicht dass die  gute altgediente Tafel nicht massig Vorteile hätte: Der Kontrast ist bombastisch, sie ist stabil und erträgt selbst die schlimmsten Maltretierungen durch Schüler, sie ist groß und gut lesbar, die meisten sind sogar auf- und zuklappbar. Nichtsdestotrotz, in meiner Beraterzeit habe ich selten Tafeln in Büroräumlichkeiten vorgefunden. Die Wirtschaft setzt schon lange auf Beamer und Touch Displays. Also dachte ich mir: „Sowas muss es doch auch für Schulen geben“. Ein Touchdisplay, stellt euch mal vor was das für Möglichkeiten mit sich bringen könnte. Lehrerin Dora Digital lädt ihre Stunde schnell aus ihrer Dropbox, kann mit den Schülern auf dem Touchscreen Anmerkungen zeichnen, Schüler können von ihrem Tablet aus die Inhalte an der digitalen „Tafel“ mitlesen, sogar selbst von ihrem Tablet aus Anmerkungen tätigen. Die „Tafelanschriebe“ könnten ohne großen Aufwand direkt an die Schüler geschickt werden. Und mit einem Satz Mikrofon würde sich so jede Unterrichtsstunde digitalisieren lassen und frei für alle Welt und jeden nachvollziehbar teilen lassen. Ein Paradies so eine digitale Tafel.
Kurzum ich habe mich hineingestürzt in das Land der digitalen Tafeln, interaktiven Displays und Smartboards.
Hier vielleicht zur Einführung ein Herstellervideo. Keine Provision oder Schleichwerbung, fand nur die Möglichkeiten sehr ansprechend dargestellt.
Dieser Artikel soll einen kurzen Abriss über Smartboards und interaktive Whiteboards liefern. Die Möglichkeiten, die Chancen und die Fallstricke.

Smartboard – Was ist das überhaupt?

Ein Smartboard ist eine Fläche auf der man nach belieben Schreiben, Zeichnen, Videos abspielen oder Excel Tabellen anzeigen kann. Dabei ist es meist völlig flexibel wählbar ob man mit der Hand, mit speziellen Stiften oder mit einer angeschlossenen Tastatur schreibt. In allen Fällen erzeugt der Computer das Bild und gibt es entweder über den Beamer oder über das Display sofort wieder. Ein gutes Smartboard sollte wie eine Tafel höhenverstellbar sein. Nur der geneigte Schwammfetischist kommt hier nicht mehr zum Zug, gelöscht wird digital: Mit dem Handballen, speziellen Stiften oder der Tastatur.
Grundlegend gibt es zwei Typen von Smartboards:

Beamer-Smartboards

Beamer SmartboardsHier handelt es sich um eine Kombination aus einem Whiteboard und einem Beamer. Das Whiteboard erkennt Stifteingaben und lässt diese dann über den Beamer darstellen. Der Beamer zeigt dann also Schrift und Bild auf dem Whiteboard an. Hier gibt es im großen zwei bekannte Hersteller: Promethean und Smart Technologies.
Die Technik ist relativ verbreitet, hat aber so seine Tücken: Schrifterkennung läuft bei beiden genannten Herstellern relativ problemlos.
Nachteil an diesen Kurzdistanzbeamer Lösungen: Man hat ein Whiteboard und einen Beamer zu warten. Weiterhin ist so eine Lösung relativ statisch und kann in den meisten Fällen nur mit größerem Aufwand transportiert werden.
Didaktischerseits bieten beide Hersteller vielseitige Lösungen für Unterrichtsmaterial an. Beide versuchen durch den Aufbau von Lehrercommunities, Lehr- und Lernmaterial zu sammeln und anderen Lehrern zur Verfügung zu stellen.

Interaktive Displays und Flatscreens

Display Flatscreen Touchscreen Smartboards

Bilder von https://education.smarttech.com/de-de/products/7000-series

Riesige „Fernseher“ die über eine berührungssensitive Oberfläche verfügen. Große Fernseher ( und für Tafelersatz braucht es ziemlich große Displays, also mindestens 65 Zoll, eher größer) sind in den letzten Jahren immer billiger geworden. Trotzdem sind große Displays mit Touchfunktion nach wie vor kein preiswerter Spaß, zunehmend aber erschwinglich. Warum also auf guten Kontrast, 4k Auflösung und damit gestochen scharfes Bild verzichten? Zu diesen Displays gibt es dann ganze Tafelinstallationen. Zwei Whiteboards zu den Seiten des Displays montiert. Das Display selbst wie eine gute alte Tafel höhenverstellbar und so weiter. Displays bieten zusätzlich den Vorteil mobil zu sein, sofern sie direkt auf einem fahrbaren Gestell montiert sind. ( Hier gibt es auch die gute alte Wandmontage, die steht natürlich der Mobilität im Weg). Die wohl momentan am beliebtesten Flatscreen und interaktiven Whiteboards gibt es von dem allseits bekannten Tafelhersteller VS oder von SMART

Materialien für Smartboards

So richtig zur Geltung kommen Smartboards erst mit didaktisch gut durchdachtem Material. Eine Reise durch das alte Rom bei dem man das Kolloseum in 3D begutachten kann, die Teile einer Gladiatorenrüstung über ein eingebautes Quiz benennen muss usw. Das sind Inhalte die meist leider noch nicht vorhanden sind. Hier sind die Schulbuchverlage gefragt. Diese begnügen sich bisher aber meist mit digitalen Ausführungen ihrer alten Schulbücher, sogenannte „enhanced PDFs“. Diese schöpfen aber meist das Potential von Smartboards nur bedingt aus. Die  Die Hersteller versuchen durch den Aufbau von Communities wie bspw. SMART mit ihrer Learning Suite direkt Materialien und Kurse zwischen den nutzenden Lehrern zu teilen. Hier wäre wieder der Ansatz des OER hilfreich. Eine Plattform für Smartboard Material auf der herstellerunabhängig Lehrmaterial geteilt werden kann.

Möglichkeiten zur Interaktion

Stellen wir uns vor jeder Schüler besitzt ein Smartphone, einen Laptop oder ein Tablet. Mit Smartboards und Flatscreens lassen sich die Inhalte direkt auf die Displays aller Schüler verteilen und vice versa. Ein Schüler Bildschirm kann wie im guten alten Computerraum also auch mit der Klasse geteilt werden. Schüler können über Ihre Geräte direkt mit den Inhalten an der Tafel interagieren. Beispielsweise kann Schüler Max direkt vom Stuhl aus die Bestandteile einer Zelle benennen. Der gesamte Unterrichtsverlauf inklusive Fragen sowie Antworten, die während des Unterrichts von Schülern notiert wurden, können im Nachgang direkt an die Schüler verteilt werden und ermöglichen so die Wiederholung des Unterrichtsmaterials von Zuhause aus. Wenn auch noch ein Mikrofon (an Universitäten bereits üblich aufgrund der Größe der Hörsäle) dazu kommt, ist der komplette Unterricht digitalisiert und könnte mit der Welt geteilt werden.

Fazit: 

Smartboards und interaktive Whiteboards können eine echte Bereicherung für den digitalen Unterricht darstellen. Immer vorrausgesetzt Lehrer sind begeistert und erstellen auch gern mal selbst digitale Unterrichtsmaterialien. Denn bisher fehlt es noch an wirklich didaktisch sinnvollem Material. Trotzdem eine digitale Tafel hat fast nur Vorzüge. Sie umfassen den kompletten Funktionsumfang einer normalen altmodischen Tafel und erweitern sie um reichlich spannende Optionen. Die Anschaffung ist nicht ganz billig, aber selbst bei der Anschaffung eines soliden Tafelsystems muss Schule schon mal tief in den Geldbeutel greifen. Generell sollte man sich vor der Anschaffung noch einmal im Detail erkundigen und vlt. auch das ein oder andere Modell live getestet haben um Usabilitymängel auszuschließen. Gerade bei den Beamermodellen ist häufig der Kontrast eher mau und die Lebensdauer der Beamerlampen kurz, was zu häufiger Wartung führt. Auf lange Sicht werden sich wohl die interaktiven Displays durchsetzen. ( immer davon ausgehend dass der Preisverfall für große Displays so anhält ).
Wie häufig gilt: Ein didaktisches Konzept und motivierte Lehrer sind das Wichtigste, dann aber können sich Smartboards durchaus als sehr spannende Möglichkeit zur digitalen Bildung darstellen.

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Das Ende der Kreidezeit

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