Imaging Software für Schulen – Ein Überblick

Das Problem mit vielen Schulcomputern

Häufig findet man in Schulen zig Rechner an unterschiedlichsten Standorten. Im Computerraum, im Chemieraum oder im Kunstsaal ohne Imaging Software. Nehmen wir nun an Sie wollen auf all diesen Rechnern Windows 10, Chrome, Antivir und GeoGebra (Mathe kann man sogar ab und an im Kunstraum gebrauchen 😉 installieren. Der mühsame Weg wäre jetzt einfach mit einem USB Stick durch alle Räume zu laufen und auf allen Rechnern die Software aufzuspielen. Gesagt, getan. Mit dieser „Turnschuh“ – Methodik ist man zwar beschäftigt erhält aber funktionstüchtige Rechner. Nach 3 Wochen stellt der Systembetreuer aber meist fest: Es gibt Updates für Antivir und Chrome sowies Windows 10. Jetzt wieder durch alle Klassenräume tingeln und die Rechner händisch updaten? Das würde schnell zu einem Vollzeitjob ausarten.

Imaging Software als Lösung:

Hier kommt die ultimative Lösung für nicht nur das obige Problem. Eine Imaging Lösung!
Imaging Software speichert vorgefertigte Systemabbilder, also bspw. eine vorgefertigte Installation von Windows 10 mit Chrome und Antivir. Bei Bedarf spielt die Imagingsoftware dieses sogenannte Image an alle Rechner an einem Standort aus (bspw. an alle Rechner im Computerraum). Es dauert dann kurz bis die Rechner mit dem neuen Image betankt sind und im Anschluss kann dann im Besten Fall sofort der Rechner mit rundum neuer Softwareausstattung gestartet werden. Wenn jetzt ein Update fällig wird, spielt man einfach das nötige Update ins Image ein und verteilt es wieder. Unterschiedliche Images für unterschiedliche Standorte sind für die meisten Imaging Anwendungen ebenso wenig ein Problem wie Individualisierung von Einzelplätzen.
Einige Lösungen bieten speziell für die Schulanwendung gedachte „Festplattenschutz“ Mechanismen an. Sollte ein Schüler (oder sogar ein Lehrer) versehentlich auf dem Rechner einen Virus oder ungewollte und schädliche Dateien oder Programme installieren wird das Betriebssystem nach einem Neustart in den Ursprungszustand zurückgesetzt und benötigt keinerlei Wartung.

Hier also nochmal kurz eine Zusammenfassung der Vorteile einer Imaging Software:

  • Einfaches und effizientes Erstellen von Systemabbildern (sog. Images)
  • Schnelles und reibungsloses Verteilen von neuen Softwarepaketen und Updates auf allen Schulrechnern
  • Einfach Wartung
  • Festplattenschutz verhindert häufige Systemausfälle ( erlaubt aber trotzdem nutzerspezifische Daten auf Netzwerklaufwerken )

Um ein wenig Licht in den Dschungel der Imaging Lösungen zu bringen, hier ein kleiner Überblick über Imaging Software. Definitiv nicht vollständig aber unserer Meinung nach am Besten für den Einsatz an Schulen und Bildungseinrichtungen geeignet.

Windows Distribution Services (Microsoft)

Die Windows Distribution Services („WDS-Server“) sind Teil von Windows Server 2012. Sie ermöglichen dem Administrator von fertig installierten Windows-Clients ein Image einzusammeln und über PXE-Boot an beliebig viele Clients zu verteilen. Das Tool von Microsoft erfordert neben dem Windows Server selbst keine weiteren Lizenzgebühren und erlaubt eine sehr flexible Konfiguration der einzelnen Clients, beispielsweise mit einzelnen Paketen die zusätzlich installiert werden sollen oder unterschiedlichen Lokalisierungseinstellungen. Das macht das Programm gleichzeitig sehr komplex. Geeignet für Administratoren, die ausgiebige Erfahrung mit mindestens Microsoft Windows Server 2012 haben und Zeit dafür investieren wollen ihr System bis ins Detail zu kennen und feinjustieren zu können. Support auf Expertenlevel ist in vielen aktiven Foren leicht zu finden, der Neueinstieg in das System ist ohne Schulung allerdings schwierig.

Rembo/myShn (sbe-Systems)

Rembo/myShn wird von sbe-Systems ausschließlich als Teil ihrer didaktischen Schullösung logoDIDACT vertrieben. Es basiert auf dem, ursprünglich von IBM entwickelten Rembo, einer Lösung, die eine selbstheilende Arbeitsstation umsetzt. Das System wird auf einem Linuxserver installiert und zielt darauf ab, den Installationsaufwand für neue Software zu minimieren. Updates werden auf einem Rechner installiert. Danach startet der Administrator das Einsammeln des Images und die anschließende die Verteilung auf alle dafür konfigurierten Rechner. Gleichzeitig installiert das System eine Clientkomponente, die alle Rechner bei Neustart in den Ursprungszustand zurückversetzt. Das System eignet sich für Administratoren, die Imagepflege weitestgehend automatisieren wollen und gleichzeitig auf der Suche nach einer neuen didaktischen Raumlösung sind.

Linuxmuster.net (linuxmuster.net e.V.)

Linuxmuster ist ein Ableger von paedML, der pädagogischen Musterlösung des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg. Nachdem das LMZ im Juli 2012 ankündigte, die weitere Entwicklung von paedML an eine Firma geben zu wollen, wurde mit Linuxmuster.net die freie Weiterentwicklung der Software von einem Verein übernommen. Die Imageverteilung basiert wahlweise auf Rembo oder dem freien LINBO und ist ähnlich ausgestaltet, wie bei Rembo/myShn. Die freie Software ist als fertige Linuxdistribution verfügbar und bietet neben der automatisierten Imageverteilung auch eine didaktische Softwarelösung. Mehr noch als bei Rembo/myShn ist ausgeprägte Linuxerfahrung des Administrators erforderlich und idealerweise der kurzfristige Zugriff auf einen mit der Lösung erfahrenen Dienstleister.

Timago (inl AG)

Ein relativ junges Produkt der inl AG aus Schwäbisch Hall. Es automatisiert die Imageverteilung ähnlich wie Rembo/myShn. Tatsächlich wurde Timago als Alternative zu myShn entwickelt, um Performanceprobleme auszugleichen, die bei bei Einsatz myShn mit Windows 7 Clients oder höher teilweise auftreten. Im Unterschied zu myShn läuft der Timagoserver unter Windows, nicht unter Linux. Neue Images werden automatisch verteilt und das System bei jedem Neustart in den Ausgangszustand versetzt.

Das Produkt ist einzeln oder als Bundle mit der didaktischen Lösung der Firma inl erhätlich. Das System eignet sich für Administratoren, die auf den Einsatz von Linux in Ihrem Netzwerk verzichten wollen und eine automatisierte Lösung suchen, die den Aufwand bei der Imagepflege gering hält – wenn auch auf Kosten der Flexibilität im Vergleich zu WDS. Nachteil: Windowsclients, die älter sind, als Windows 7 werden nicht unterstützt.

Acronis Snap Deploy (Acronis)

Acronis, der bekannte Hersteller von Backup-Lösungen, bietet mit Snap Deploy ein Produkt für Geschäftskunden, die große Zahlen an gleichartigen Rechnern verwalten müssen und eignet sich damit auch für Systembetreuer an Schulen. Das System bietet die Möglichkeit, Images von Rechnern einzusammeln und an viele Rechner im Netzwerk zu verteilen. Besonderheit des Systems: Durch die Verteilung per Multicast können alle Rechner gleichzeitig erreicht werden. Gerade bei langsamen Schulnetzwerken ein spürbarer Zeitgewinn bei der Imageverteilung. Das System ist stabil und leicht zu erlernen. Es eignet sich für Administratoren, die den Imageprozess manuell im Griff behalten möchten, aber nicht so tief in die Innereien von Windows einsteigen möchten, wie beim WDS-Server nötig. Das Produkt bietet keinen Festplattenschutz. Wenn dieser nötig ist, muss er gesondert bereitgestellt werden.

  WDS-Server Rembo/
myShn
Linuxmuster.net Timago Acronis Snap Deploy
Serverbetriebssystem Windows Linux Linux Windows Windows
Unterstützte Client-Betriebssysteme Windows XP, Vista, 7, 8.1, 10 Windows XP, Vista, 7 | Linux Windows XP, Vista, 7 | Linux Windows 7, Windows 8.1, Windows 10 Windows XP, Vista, 7 | (Linux)
Windows 10
Lizenzkosten Server/Client nur Windows Server 378€ / 28€ frei 199€ / 25€ 98€ / 19€
Festplattenschutz Nein Ja Ja Ja Nein
Speziell für Schulen Nein Ja Ja Ja Nein
Didaktische Lösung integriert Nein Ja logoDIDACT Ja Optional Nein

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Das Ende der Kreidezeit

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